Der Adventskalender 2025 für Führungskräfte

24 Tipps für deinen erfolgreichen Start in die erste Führungsrolle

⭐️ 3. Dezember ⭐️

Heute: Erwartungen klären, Teil 3/4

Das Polylemma: Vater, Sohn und Esel

Vorgestern hatten wir festgestellt, dass es in unserem Umfeld ganz unterschiedliche, meist unausgesprochene Erwartungen gibt, und gestern hatten wir gesagt, dass kein Mensch immer alle Erwartungen gleichzeitig erfüllen kann.

Dazu möchte ich dir heute eine kleine Geschichte erzählen. Sie ist in vielen Kulturen verbreitet und existiert in unterschiedlichen Versionen, deshalb erzähle ich sie dir hier in meinen Worten, bevor ich „die Moral von der G’schicht“ am Ende kurz zusammenfasse.

Es war einmal ein Mann, der ging mit seinem Sohn zum Viehmarkt, um dort einen Esel zu kaufen. Nach langer Suche und ausführlichen Verhandlungen kauften sie endlich einen schönen, kräftigen Esel und machten sich zufrieden auf den Weg nach Hause. Vergnügt gingen sie neben dem Esel her, bis sie ein entgegenkommender Wanderer auslachte: „Ihr habt einen Esel, aber warum reitet keiner auf ihm?“ Da setzte der Vater seinen Sohn auf den Esel, und bald kamen sie in ein Dorf. Dort hieß es: „Seht euch den faulen Bengel an! Du solltest dich schämen! Du hast junge Beine und lässt deinen Vater zu Fuß gehen?!“ Also setzte sich der Vater auf den Esel, und der Sohn ging zu Fuß. Später trafen sie einen weiteren Wanderer, der war ganz entrüstet und sprach: „Du solltest dich schämen, Alter! Du mit deinen starken Beinen reitest auf dem Esel, während dein kleiner Junge zu Fuß gehen muss!“ Nun setzten sich beide auf den Esel und setzen so ihren Heimweg fort, bis ihnen wieder ein Händler mit ein paar Tieren entgegenkam. Auch der schimpfte mit ihnen: „Ihr solltet euch was schämen! Ihr beide sitzt faul auf dem Esel, und das arme Tier muss die ganze Strecke die schwere Last von euch beiden tragen!“ Nach reiflicher Überlegung entschlossen sich Vater und Sohn, den Esel an eine Stange zu binden, und so trugen sie nun den Esel bis nach Hause. Als sie dort ziemlich spät und völlig erschöpft ankamen, verstand die Frau des Mannes die Welt nicht mehr und schimpfte: „Ihr seid vielleicht zwei Dummköpfe! Warum lasst ihr den Esel denn nicht selbst zu seinem neuen Stall laufen?“

Der alemannische Mundartdichter Johann Peter Hebel (1760–1826) schließt seine Version der Geschichte mit den Worten: „So weit kann’s kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.“

Was ich dir heute mit auf den Weg geben möchte, ist ein Sprichwort, das meine liebe Großmutter, die wunderbare Maria Anna Domes, gerne bei passender Gelegenheit zitiert hat. Es begleitet mich bis heute beim Treffen schwieriger Entscheidungen, und stets fühle ich mich dadurch ein Stück weit entlastet:

„Allen Menschen recht getan, ist ein Ding, das keiner kann!“

In diesem Sinne: Dir auch heute gutes Gelingen, bleib gesund und gut gelaunt.

Übrigens: Morgen stelle ich dir ein sehr effizientes Modell und ein paar Leitfragen vor, die dir helfen zu entscheiden, welche Erwartungen du vorrangig erfüllen solltest – und welche besser nicht…

 

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