Der Adventskalender 2025 für Führungskräfte
24 Tipps für deinen erfolgreichen Start in die erste Führungsrolle
⭐️ 14. Dezember ⭐️
Heute: Kommunikation für Führungskräfte, Teil 2/4
Aktives Zuhören
Stell dir vor: Du sitzt mit deinem Mitarbeiter Tobias im Büro. Ihr führt ein ganz normales Gespräch über das aktuelle Tagesgeschäft, nichts Besonderes…
Dir ist in den letzten Wochen aufgefallen, dass Tobias öfter mal ein paar Minuten zu spät, in Besprechungen nicht so präsent ist wie immer, und überhaupt wirkt er etwas fahriger und unkonzentrierter. Das sprichst du bei der Gelegenheit kurz an:
„Tobias, mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit öfter knapp dran bist und nicht so konzentriert wirkst wie sonst. Alles in Ordnung bei dir?“
Tobias zuckt mit den Schultern, blickt kurz auf den Tisch.
„Ach, passt schon. Ist gerade ein bisschen viel, aber das wird schon wieder…“
Hier gibt es jetzt 2 Optionen, wie du das Gespräch weiterführst:
Option 1: Antwort akzeptieren und weitermachen
„Okay, dann bin ich ja beruhigt. Wichtig ist, dass du wieder zuverlässiger wirst. Schau bitte, dass du deine Zeiten im Griff hast und dass dir bei den Angeboten weniger Fehler passieren, ist ja kein großes Ding.“
Tobias nickt, ihr sprecht noch kurz über die Einarbeitung einer neuen Kollegin, dann ist das Gespräch zu Ende.
Analyse aus der Hubschrauberperspektive:
Formell hast du das Thema angesprochen, aber du hast nicht in Erfahrung gebracht, was da los ist. Das geht deutlich besser 🙃
Option 2: Interessiert nachhaken
Tobias sagt wieder: „Ist gerade ein bisschen viel, aber das wird schon wieder.“
Aber diesmal bleibst du dran: „Hm, bisschen viel? Was meinst du denn damit?“
Tobias zögert einen Moment, dann erzählt er: „Tja, meine Frau hat sich beim Wandern in den Alpen das Kreuzband gerissen und musste operiert werden. Seitdem kann sie nur an Krücken laufen und darf nichts tragen, das wird auch noch eine ganze Weile dauern. Und unser Kleiner war jetzt auch zweimal hintereinander krank, wird nachts immer wieder wach… Im Moment mache ich das ganze Programm mit Kindergarten, Arztterminen, Haushalt und versuche natürlich, trotzdem rechtzeitig hier zu sein.“
Damit hattest du natürlich nicht gerechnet. Du nickst verstehend und sagst: „Dann hast du im Moment eine ganze Menge zu stemmen, Respekt. Kein Wunder, dass du manchmal etwas abgespannt wirkst. Dann lass uns mal gemeinsam schauen, wie wir dich hier etwas entlasten können, so dass du Familie und Job so gut wie möglich unter einen Hut bekommst.“
Du siehst: Dasselbe Gespräch, dieselbe Ausgangssituation, aber zwei völlig verschiedene Entwicklungen des Gesprächs in puncto Information und Vertrauen.
2 Fragen an dieser Stelle: Welche dieser Optionen findest du besser? Welche ist im Alltag wohl die Üblichere?
Es gibt ein schönes Sprichwort: Wir haben zwei Ohren und nur einen Mund. Das zeigt, dass Zuhören wichtiger ist als Reden.
Deshalb möchte ich mit dir heute über die Kommunikationstechnik „Aktives Zuhören“ sprechen. Mit diesem Tool kannst du dir sicher und schnell Zugang zu wichtigen Hintergrundinformationen verschaffen, um Sachverhalte genauer und treffsicherer zu beurteilen und optimale Maßnahmen ergreifen zu können. Mit anderen Worten: Du fokussierst dich für einen Moment komplett auf dein Gegenüber. Du versuchst, wirklich zu verstehen, worum es geht und wie er die Situation sieht, bevor du steuerst, korrigierst oder Lösungen anbietest.
Das aktive Zuhören besteht aus drei Schritten:
- Aufmerksamkeit schenken
Du signalisierst deinem Gegenüber, dass du zuhörst, und zwar nonverbal (Blickkontakt, verstehendes Nicken) und verbal (mhm, aha, verstehe…)
Damit zeigst du dem anderen: „Ich bin ganz bei dir.“ Das klingt vielleicht banal, bewirkt aber oft, dass sich dein Gesprächspartner respektiert und ernst genommen fühlt.
- Inhalt paraphrasieren
Du wiederholst mit eigenen Worten, was der andere gerade gesagt hat („Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann …“, „Du sagst also, dass …?“). Damit gibst du dem anderen die Gelegenheit, dein Verständnis zu bestätigen oder zu korrigieren. Damit stellst du sicher, dass ihr ein gemeinsames Fundament habt, inhaltlich über dasselbe sprecht und nicht aneinander vorbeiredet.
- Gefühle verbalisieren
In den meisten Situationen spielen Gefühle eine große Rolle. Mit einem Satz wie „Das hat dich bestimmt richtig geärgert?“ oder „Das ist sicher ziemlich schwierig für dich“ zeigst du, dass du dich gut in die Lage deines Gesprächspartners hineinversetzen kannst, ihn wirklich verstehst, weißt, wie es deiner Mitarbeiterin oder deinem Mitarbeiter gerade geht.
Damit hast du die besten Voraussetzungen dafür geschaffen, dass du gleich im ersten Anlauf bestmöglich unterstützen kannst und nicht überflüssige Schleifen drehen musst, um zu erfahren, worum es wirklich geht – und dir die Blöße gibst zu zeigen, dass du gar nicht richtig zugehört und die Situation falsch eingeschätzt hast.
Mein Vorschlag für dich:
Probiere die Technik aktives Zuhören heute einfach mal aus bei passender Gelegenheit.
Nimm dir vor:
- Zunächst ganz bewusst zuzuhören, dem anderen „dein Ohr zu schenken“,
- das Gesagte einmal in eigenen Worten zusammenzufassen und
- das Gefühl zu benennen, das du beim anderen wahrnimmst.
Spannend wird dann die Blitz-Auswertung, deine kurze Selbstreflexion:
Wie ist das Gespräch verlaufen, was war womöglich anders als sonst?
Wie hat dein Gegenüber reagiert?
An welcher Stelle hast du vermutlich mehr erfahren als üblich?
Welche Auswirkungen hatte dein bewusstes, aktives Zuhören auf euer persönliches Verhältnis in diesem Moment?
Inwieweit hilft dir das Aktive Zuhören bei deiner Führungsarbeit?
Nun wünsche ich dir interessante Gespräche und hilfreiche Erkenntnisse 😃
Im Sinne hilfreicher Erkenntnisse werden wir morgen weitermachen. Dann geht es um mehr oder weniger hilfreiche Fragetechniken…
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