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24 Tipps für deinen erfolgreichen Start in die erste Führungsrolle

⭐️ 15. Dezember ⭐️

Heute: Kommunikation für Führungskräfte, Teil 3/4

Wer (richtig) fragt, der führt

Im richtigen Moment die richtigen Fragen zu stellen ist eine Kunst, über die ich heute mit dir sprechen möchte. Dazu nehme ich dich mit zu einem meiner Workshops ins österreichische Hallein, Thema: Interviewtechniken für Führungskräfte.

 

In der Mittagspause gehen wir über den Hof ins Betriebsrestaurant. Auf dem Weg dahin trifft eine Teilnehmerin einen ihrer Mitarbeiter. „Na“, lacht sie, „wie weit bist du mit der Umrüstung an Linie 3?“, „Wie macht sich der Trainee?“ und „Wie läufts mit der Nacharbeit aus der Frühschicht an Band 1?“

 

Ich war beeindruckt: In Sekundenschnelle war sie auf dem Stand der Dinge und wusste, wen sie noch schnell anrufen musste nach dem Essen. Alles völlig stressfrei und gut gelaunt, ihr Mitarbeiter ebenfalls. Für mich ein schönes Beispiel dafür, wie Kommunikation im besten Falle läuft: Unkompliziert, reibungslos, wohlwollend und unterstützend für alle Beteiligten.

 

Einen großen Anteil an gelungener Kommunikation haben dabei die Fragen, die du stellst. Da gibt es eine ganze Menge an Fragearten, von denen ich dir heute die drei wichtigsten kurz vorstellen möchte:

 

1. Warum-Fragen

Vor Fragen mit „Warum…?“ möchte ich dich ausdrücklich warnen: Das Wort „Warum“ triggert viele Menschen, sich zu rechtfertigen, und das macht ganz schnell ganz schlechte Stimmung. Du erinnerst dich vielleicht: „Warum hast du deine Hausaufgaben noch nicht gemacht?“, „Warum kommst du erst so spät nach Hause“, „Warum hast du dein Zimmer noch nicht aufgeräumt?“ sind Fragen, die wenig mit echter Ursachenforschung und Lösungsorientierung zu tun haben und bei Erwachsenen meist dazu führen, dass sie „zumachen“, mauern, so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten, sich einfach schützen wollen und so wenig wie möglich an Informationen preisgeben.

Wenn du wirklich den Grund einer Sache in Erfahrung bringen möchtest, dann empfehle ich dir stattdessen folgende Fragen:

„Weshalb…?“

„Aus welchem Grund?“

„Was ist denn der Hintergrund dafür, dass…?“

So wirkst du interessierter, zugewandter und freundlicher. Das führt dazu, dass dein Gegenüber keinen Rechtfertigungsdruck spürt und das Gespräch deutlich offener und lösungsorientierter verläuft.

 

2. Geschlossene Fragen

Geschlossene Fragen lassen sich in der Regel mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten.

Sie sind bestens geeignet, wenn es von vornherein nur zwei Antwortmöglichkeiten gibt („Hast du den Kunden schon angerufen?“). Dann müsst ihr nicht lange reden und könnt schnell weitermachen.

Weil geschlossene Fragen schnell gestellt und meist noch schneller beantwortet sind, sind sie im Management-Alltag äußerst beliebt. Leider auch dann, wenn sie überhaupt nicht sinnvoll sind. Hier ein paar Beispiele:

 „Passt das so für dich?“

„Alles klar?“

„Du weißt, was ich meine?“

Mit solchen Fragen stellst du dir selbst ein Bein: Die Antworten geben dir so gut wie keinen Informationsgewinn, und im schlimmsten Fall gaukeln sie dir eine falsche Sicherheit vor, während sich im Hintergrund bereits ein Gewitter zusammenbraut. Außerdem signalisieren geschlossene Fragen oft eher: „Sag mir, dass alles so ist, wie ich es mir vorstelle“ statt: „Erzähl mir bitte, wie es wirklich aussieht.“

Das erfährst du viel besser mit offenen Fragen, die wir uns gleich näher ansehen:

 

3. Offene Fragen

Offene Fragen („Wer“, „Wie“, „Was“) bringen dir im Führungsalltag den größten Nutzen. Sie lassen sich nicht einfach mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten, sondern laden dein Gegenüber ein, wirklich etwas zu erzählen.

Hier fünf Beispiele aus dem Führungsalltag:

„Was brauchst du noch, um diese Aufgabe gut erledigen zu können?“

„Wie schätzt du die Situation im Moment ein – was läuft gut, was macht dir Sorgen?“

„Was war aus deiner Sicht der wichtigste Grund, warum es heute zu Verzögerungen kam?“

„Was wäre aus deiner Sicht ein guter nächster Schritt, damit wir hier vorankommen?“

„Wer könnte dich dabei am besten unterstützen?“

 

Du siehst: Mit offenen Fragen bekommst du ein recht genaues Bild von der Situation; du lernst die Sicht deines Mitarbeiters kennen und kommst viel leichter ins gemeinsame Nachdenken über mögliche Lösungsansätze. Gleichzeitig signalisierst du Interesse und Vertrauen, was sich positiv auf die Eigeninitiative und das Verantwortungsgefühl deiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auswirkt.

 

Mein heutiger Tipp für dich:

Achte einmal auf die Fragen, die du stellst. Wenn du jetzt schon meist offene Fragen stellst: Bitte weiter so 👍

 

Wenn du aber merkst, dass du viele geschlossene Fragen stellst, dann kannst du diese Fragen einfach in offene Fragen umformulieren. Manchmal ist das vielleicht nicht ganz einfach, aber der Aufwand lohnt sich sofort.

 

 

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