Der Adventskalender 2025 für Führungskräfte

24 Tipps für deinen erfolgreichen Start in die erste Führungsrolle

⭐️ 23. Dezember ⭐️

Heute: Selbstführung und Resilienz, Teil 3/4

Selbstwahrnehmung und Reflexion

Heute widmen wir uns einem spannenden Phänomen: Du kennst deine Ziele, grenzt dich gut ab, und dennoch gibt es manchmal Tage, da meinst du, die Welt hätte sich gegen dich verschworen, es läuft einfach alles schief!

 

Beispiel: Du bist auf dem Weg zum Pitch bei einem Key Account, der die Dienstleistung neu ausgeschrieben hat und dich grundsätzlich weiter an Bord haben möchte. Allerdings hat der zuständige Vorstand gewechselt, der dich noch nicht kennt. Du bist perfekt vorbereitet, hast eine Menge Arbeit in das Konzept und die Präsentation gesteckt und bist mit viel Pufferzeit auf dem Weg zum Kunden. Und da passiert es: Du verpasst den Anschlusszug, eigentlich kein Problem, du hast ja genügend Pufferzeit eingeplant. Nun bleibt aber der voll ausgebuchte ICE, in dem du immerhin einen Stehplatz ergattert hast, auf offener Strecke liegen. Die Zeit vergeht, du wirst den Termin definitiv nicht schaffen. Dummerweise hast du weder Handy- noch Internetempfang, Funkloch! Und zu allem Überfluss hast du nichts mehr zu trinken, und außerdem ist die Klimaanlage ausgefallen. Falls du nun sagst: „Das ist ja alles konstruiert!“: Alles schon erlebt 🤪

Worauf ich hinaus möchte: In solchen Situationen kommen wir alle früher oder später an unsere Grenzen und werden, freundlich gesagt, etwas dünnhäutig, mit anderen Worten: Wir sind weit außerhalb unserer Comfort Zone.

 

Hier möchte ich auf Jim Dethmer zu sprechen kommen. In seinem Buch The 15 Commitments of Conscious Leadership betont er, wie wichtig die Selbstwahrnehmung für Führungskräfte ist.

Bin ich gerade „above the line“? Dann habe ich gefühlt die Situation unter Kontrolle („by me“), sitze auf dem Fahrersitz und kann beeinflussen, wie es weitergeht. Ich erfahre mich und mein Verhalten als wirksam und bin eher in einer offenen, aufgeschlossenen und optimistischen Gemütsverfassung.

Oder bin ich, wie in unserem Beispiel, gerade unterhalb der Wasserlinie, „below the line“? Dann bin ich im Stress, nehme mich nicht als steuerndes Subjekt, sondern als gesteuertes Objekt der Situation wahr, als „Opfer der Umstände“ sozusagen.

 

Nun gibt es ja bekanntlich solche und solche Tage. Darauf kommt es auch gar nicht so sehr an. Das Entscheidende ist vielmehr, dass wir uns bewusst machen, ob wir gerade above oder below the line sind. Und, wenn wir merken: „Below the line!“, diesen Zustand einfach wahrnehmen und -das ist das Entscheidende!- dann überlegen: Was hilft mir jetzt, um wenigstens ein Stück weit Richtung „above the line“ zu kommen?

 

Folgende Schritte können dir dabei helfen:

  1. Wahrnehmung: Ich bin gerade „below the line“
  2. Akzeptanz: Das ist ok, das passiert jedem mal…
  3. Bewusst entspannen: Z. B. 3 x tief durchatmen (bewusste Bauchatmung), Schultern senken…
  4. Welche anderen oder noch viel kritischeren Situationen habe ich schon gemeistert?
  5. Was brauche ich jetzt, damit es mir unter den gegebenen Umständen wenigstens ein bisschen besser geht?
  6. Was kann ich jetzt und will ich jetzt tun, um die Situation zumindest minimal zu verbessern?

 

Dabei ist es letztlich nicht entscheidend, ob oder dass du schnell wieder above the line kommst – das ist manchmal nicht möglich oder „dauert noch ein bisschen“.

 

Wichtig ist, dass du dich von solchen Situationen nicht komplett beherrschen und hinreißen lässt, sondern dich auf deine Ressourcen, Möglichkeiten und -ggf. noch so begrenzten- Handlungsoptionen besinnst. Damit stärkst du nämlich dein eigenes Selbstwertgefühl und Wohlbefinden und lebst für andere deine Vorbildfunktion als Führungskraft.

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